„Ein Stein ist total untertrieben, es ist eigentlich der Mount Everest. Heute ist es so weit, und wir werden das würdig feiern.“
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Frage: Jürgen, worauf kommt es am vierten Wettkampftag, bei den sogenannten Finals, an?
Jürgen Kraft: Am vierten Wettbewerbstag finden die ganzen Finalzeiten unserer 42 Wettbewerbe statt. Wir schauen, dass wir bei jedem Beruf dort sind und Österreich anfeuern. Es wird überall Emotionen geben. Die Finalzeiten sind über den ganzen Tag verteilt. Wir werden mitfiebern und feiern – und dann schauen wir, dass wir wieder Top-Leistungen liefern.
Frage: Wie viele Österreicher, wie viele Fans sind heute mitgekommen? Wer drückt den Teilnehmern heute noch einmal ganz fest die Daumen?
Jürgen Kraft: Insgesamt sind wir über 400 Personen, über 400 Österreicher vor Ort: Unternehmen, Familienmitglieder, Freunde – alles, was zu den Teilnehmern gehört. Damit haben wir totalen Support. Und es macht mich total happy, dass so viele mitgekommen sind.
Frage: Welche Traube bildet sich da rund um die Kojen der Teilnehmer? Was gibt es an Fahnen, Material, Ziehharmonikas oder musikalischer Untermalung?
Jürgen Kraft: Wir haben alles mit, was wir mitnehmen dürfen. Leider haben sie uns die Musikbox nicht erlaubt, also müssen wir Österreich wirklich selbst lautstark anfeuern. Ich habe noch in der Nacht alle motiviert: T-Shirts, Fahnen, Schals – alles, was rot-weiß-rot aufleuchten kann, ist dabei. Und wie wir wissen, sind wir das Land, das hier am stärksten vertreten ist.
Frage: Die Schweizer feuern meistens mit Kuhglocken an – andere Länder, andere Kulturen, andere Fangewohnheiten. Wie ist das, wenn etwa die Landschaftsgärtner zwischen Indien und China von den Österreichern angefeuert werden?
Jürgen Kraft: Wir übertrumpfen natürlich alles. Mit Österreich kann die Kuhglocke nicht mithalten, und Indien kann auch nicht mithalten. Somit sind wir nicht nur bei den Leistungen Spitzenklasse, sondern auch mit unseren Fans.
Frage: Welcher Stein fällt den Teilnehmern vom Herzen? Nach jahrelanger Vorbereitung ist jener Moment erreicht, in dem die WorldSkills vorerst beendet sind.
Jürgen Kraft: Ein Stein ist total untertrieben, es ist eigentlich der Mount Everest. Es ist Erleichterung. Einige haben gestern schon gesagt: Sie sind froh, dass sie da sind, aber sie sind auch froh, dass heute der Druck einmal weg ist und wir eine Nacht ohne Wettbewerbsdruck haben. Es ist wie im Spitzensport: Sie haben hier wirklich vier Tage lang abgeliefert. Heute ist es so weit, und wir werden das würdig feiern.
Frage: Morgen Abend geht es zur Medaillenverleihung. Kann man sich auf den letzten Metern die Medaille noch verspielen – oder umgekehrt noch gewinnen?
Jürgen Kraft: Beides ist möglich, wie immer im Sport. Man kann jetzt noch nicht sagen, wie es ausschaut. Man kann dabei sein, man kann es heute aber auch verspielen. Darum ist der Tag so wichtig. Darum ist auch wichtig, dass man den Support von draußen hat. Er darf natürlich nicht stören, aber wir schauen darauf, dass es für die Teilnehmer passt, die im Mittelpunkt stehen. Denn wegen der Teilnehmer sind wir da.
Frage: Danach tagen die Juroren, die sogenannten Experten. Wie ermitteln sie die Goldmedaillengewinner?
Jürgen Kraft: Sie ermitteln sie eigentlich täglich. Ich schaue auch seit vier Tagen zu. Das tägliche Bewerten ist jetzt ein bisschen zu lang zum Erklären. Es ist eine total faire Bewertung. Das System erkennt, wenn jemand einen Teilnehmer schlechter und einen anderen besser bewertet. Das wird noch vor der Bewertung ausgeschlossen und die betreffende Person ersetzt. Das ist das Gute: Man hat genug Reservejuroren, die dann einspringen. Bis jetzt können wir sagen – und das muss man wirklich schätzen –, dass alles in Ordnung und die Bewertung fair war. Alle Fragen oder Probleme, die es gegeben hat, konnten wir unter den Juroren klären. Deswegen wird der Gewinner tatsächlich der sein, der der Beste war.
Frage: Was sollen uns die Menschen zu Hause jetzt noch auf den letzten Metern schicken? Was braucht es aus Österreich hier in Shanghai?
Jürgen Kraft: Positive Energie, Daumen halten, an uns denken. Und wenn ich mir noch mehr wünschen darf: Wenn wir wieder in Österreich sind, sollte man die Leistungen genauso würdigen wie im Spitzensport, beim Skifahren oder beim Fußball. Und man sollte auch der Berufsbildung ein bisschen Schwung nach vorne geben. Das ist mir das Wichtigste. Deswegen machen wir das Ganze. Wir produzieren Medaillen, aber viel wichtiger ist, dass wir etwas für die nächste Generation tun. Und 48 davon sind gerade mit mir in Shanghai.
Frage: Magst du noch einen guten Morgen nach Österreich wünschen und kurz erzählen, wer du bist und wo du bist?
Jürgen Kraft: Einen wunderschönen guten Morgen nach Österreich aus Shanghai. Mein Name ist Jürgen Kraft, ich bin Geschäftsführer und Teamchef von SkillsAustria. Wir sind bei den 48. Berufsweltmeisterschaften, den WorldSkills in Shanghai. Total geile Stimmung, super Atmosphäre, letzter Wettbewerbstag – wir geben noch einmal alles. Daumen drücken, bitte!
Frage: Und einmal grüßen wir noch Niederösterreich.
Jürgen Kraft: Einen wunderschönen guten Morgen aus Shanghai nach Niederösterreich, von den 48. WorldSkills hier in Shanghai. Drückt uns die Daumen, wir geben heute noch einmal alles. Denkt an uns. Ciao, ciao!